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Testmanagement gehört nicht ans Projektende

  • 19. Aug.
  • 3 Min. Lesezeit
Beitragsbild „Nicht erst am Ende prüfen" mit Zeitstrahl von Projektstart bis Go-Live und Meilensteinen_Testmanagement Projektstart

Testmanagement hat in vielen Projekten einen festen Platz: kurz vor dem Go-live, als letzte Kontrolle, bevor etwas produktiv geht.


Diese Reihenfolge wirkt naheliegend. Am Ende soll ja alles funktionieren.


Genau darin liegt aber das Risiko.


Testmanagement, das erst am Ende beginnt, kann nur noch eines: bestätigen oder ablehnen, was längst gebaut ist. Alles, was zu diesem Zeitpunkt schiefläuft, lässt sich kaum mehr beheben, ohne Termine, Budget oder Umfang zu opfern.


Tests zeigen mehr als Fehler im System


Ein fehlgeschlagener Test wird meist als technisches Problem gelesen: ein Bug, eine fehlerhafte Schnittstelle, ein Rechenfehler. Oft steckt aber etwas anderes dahinter – eine Anforderung, die nie wirklich eindeutig war, oder eine Annahme, die zwei Teams unterschiedlich getroffen haben.


Ein Test deckt in diesem Fall nicht in erster Linie einen Fehler im Code auf, sondern einen Fehler im gemeinsamen Verständnis des Projekts. Je später das sichtbar wird, desto teurer ist es zu korrigieren – nicht nur technisch, sondern auch fachlich und organisatorisch.


Was zu spät beginnt, wird zu spät sichtbar


Wenn Testmanagement erst kurz vor dem Go-live einsetzt, sind viele Entscheidungen längst getroffen: Architektur steht, Schnittstellen sind gebaut, Anforderungen gelten als abgeschlossen. Zeigt sich jetzt, dass eine Anforderung nicht eindeutig war oder eine Schnittstelle anders funktioniert als angenommen, bleibt wenig Spielraum. Die üblichen Reaktionen sind bekannt: Der Leistungsumfang wird reduziert, Termine werden verschoben oder die Abnahme wird verkürzt, um trotzdem termingerecht zu liefern.


Keine dieser Reaktionen behebt das eigentliche Problem. Sie verschieben es nur – oft direkt in die Produktion.


Testbarkeit gehört in die Anforderung, nicht danach


Eine Anforderung ist erst dann wirklich fertig, wenn auch klar ist, wie sie sich prüfen lässt. Fehlt dieser Gedanke am Anfang, zeigt sich das meist erst spät: als Rückfrage kurz vor dem Test, als Diskussion darüber, was eigentlich gemeint war, oder als Test, der zwar formal durchläuft, aber nichts Belastbares aussagt.


Testbarkeit früh mitzudenken heißt nicht, dass Entwicklung auf Tests warten muss. Es heißt, bei der Formulierung einer Anforderung gleich mitzudenken, woran sich später zeigen lässt, ob sie erfüllt ist. Diese Frage frühzeitig zu stellen, ist günstiger als sie am Ende zu beantworten.


Ein Testplan zeigt, ob ein Projekt wirklich bereit ist


Ein guter Testplan ist mehr als eine Liste geplanter Prüfungen. Er zeigt, wie reif ein Projekt für die nächste Phase tatsächlich ist: Welche Bereiche sind stabil genug, um verlässlich getestet zu werden? Wo bestehen noch offene Fragen, die vorher geklärt werden müssten? Wo hängt ein Testergebnis von etwas ab, das noch gar nicht feststeht?


Diese Fragen frühzeitig zu stellen, macht ein Projekt nicht langsamer. Es verhindert, dass sich ein Team erst kurz vor dem Go-live eingesteht, dass wesentliche Dinge noch nicht geklärt sind.


Testmanagement verbindet, was sonst getrennt bleibt


Fachbereich, Entwicklung und Qualitätssicherung arbeiten oft mit unterschiedlichem Blick auf dasselbe Projekt. Testmanagement ist eine der wenigen Stellen, an der diese Perspektiven zusammenlaufen müssen: Es braucht das fachliche Verständnis, um zu wissen, was eigentlich geprüft werden soll, das technische Verständnis, um zu wissen, wie sich das umsetzen lässt, und den Blick auf das Projekt als Ganzes, um einzuordnen, was ein Testergebnis für Termine und Qualität bedeutet.


Wird Testmanagement früh eingebunden, wird genau diese Verbindung zu einem festen Bestandteil der Projektarbeit – nicht zu einer nachträglichen Kontrolle, die erst am Ende zusammenführt, was vorher getrennt gelaufen ist.


Fazit


Testmanagement, das erst am Ende ansetzt, kann Probleme nur noch bestätigen, nicht mehr verhindern. Wird es früh eingebunden, wird aus der letzten Kontrolle vor dem Go-live ein Frühwarnsystem, das Risiken sichtbar macht, während noch Zeit bleibt, etwas daran zu ändern.


Genau das macht am Ende den Unterschied: nicht ob am Ende getestet wird, sondern ob Testmanagement von Anfang an mitgedacht wurde.


Setzt Testmanagement in Ihren Projekten oft erst kurz vor dem Go-live an? In einem unverbindlichen Austausch schauen wir gemeinsam darauf, wo Testmanagement früher eingebunden werden kann – damit Risiken sichtbar werden, solange noch Zeit bleibt, darauf zu reagieren.


Kontaktieren Sie uns unter: office@gruener-it.at


Das ist der fünfte Teil unserer PM-Serie über die Dinge, die im Projektalltag wirklich den Unterschied machen. Im nächsten Teil geht es darum, warum Projektmanagement nicht laut sein muss, um klar zu sein.

 
 
 

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